Alles kommt besser – Meine Reise zu mir selbst


Ich befinde mich in einem Flugzeug, 12 km über dem Boden. Unvorstellbar hoch, wenn man mich fragt, aber seitdem ich mit dem Reisen begonnen habe, schwebe ich stets in unglaublichen Höhen.
Ich denke über mein Leben nach. Ich schnaufe durch die Nase und muss mit dem Kopf schütteln. Ein Lächeln huscht über mein Gesicht. Ein ungläubiges und ebenso dankbares Lächeln, das mich hin und wieder überkommt, wenn ich mir vorstelle, dass mir jemand vor ein paar Jahren gesagt hätte, welches Leben ich heute führe. Oft frage ich mich, welche Entscheidungen wohl dazu geführt haben, dass ich heute genau an dem Punkt bin, an dem ich immer sein wollte. Ich schaue aus dem Fenster. Die Welt zu meinen Füßen, lasse ich mich tiefer in den Sitz sinken und auch meine Gedanken versinken. Ich habe es geschafft. Ich lebe meinen Traum von Freiheit.

Reise zu mir selbst

Dieses Leben wurde mir jedoch nicht in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in einem kleinen Dorf in Ostdeutschland, sah es zunächst nicht danach aus, dass aus mir eine Weltenbummlerin werden würde. Umso deutlicher zeigt meine Geschichte, dass jeder seinen Traum vom Reisen erfüllen kann.

Dass mich in meinem Leben noch mehr erwartet, habe ich bereits früh in meiner Jugend geahnt. Stets hat mich dieses unruhige Gefühl begleitet. Dieses Gefühl ließ mein Herz schnell hüpfen, meine Beine nervös zappeln und meine Gedanken rastlos Kreise ziehen. Ich war getrieben und ruhelos. Es dauerte eine ganze Weile, sogar Jahre, bis ich herausfand, worum es sich dabei handelte. Derweil trieb mich dieses Gefühl weiter an. Mit 18 Jahren zog mich hinaus. Raus aus meinem Dorf, nach München. Seitdem habe ich häufig meinen Wohnort gewechselt. Ich habe jede Chance genutzt meiner Rastlosigkeit Herr zu werden. Die erhoffte Ruhe und Zufriedenheit, die Leichtigkeit und das Glück setzen aber nicht ein.

Ich suchte nach Lösungen, nutze jede Chance und hoffte weiter auf das ganz große Glück. Um es nicht zu verpassen, empfing ich alles neue in meinem Leben mit offenen Armen und sagte mutig „Ja“ zu allem Unbekannten. Tatsächlich war es dann das Reisen, das mein Leben ein für alle Mal änderte. Und das ist noch gar nicht so lange her. 2012, im Alter von 24 Jahren, reiste ich das erste Mal mit dem Rucksack durch Südostasien. Plötzlich wurden Herz, Beine und Gedanken angenehm entspannt. Das unruhige Gefühl verschwand fürs erste.

Reise zu mir selbst

Trotzdem war es das Verlassen meines Dorfes, das mir diese Reise erst ermöglicht hatte. Dies war der erste Schritt in eine unbekannte Welt. Der erste Schritt ins Glück. Das Leben ist eine Entscheidung, die getroffen werden muss und manchmal reicht schon ein kleiner Mutausbruch. Das war nicht immer einfach. Ich musste mir meine Chancen erarbeiten. Vor allem aber, musste ich an mir selbst arbeiten. Das tat schon auch mal weh. Aber eins steht fest: Es lohnt sich! Denn wenn sich das Glücksrad einmal dreht, dann kommt eins zum anderen. So hat ein Schritt immer zum nächsten geführt und eine Kette von unwahrscheinlichen Ereignissen in Gang gesetzt, die im Nachhinein ganz logisch erscheinen. Jede Begegnung hat Türen geöffnet, jeder Verlust Platz für Neues geschaffen.

Und dann kam alles besser. Unwahrscheinliche Ereignisse wurden allmählich zur Normalität. Doch plötzlich war es wieder da, dieses unruhige Gefühl. Diesmal erkannte ich es wie einen alten Bekannten. Ich wusste was zu tun ist, um es in den Griff zu bekommen. Ich musste wieder los, auf zu meiner nächsten Reise.

Ich rettete mich in die Welt, war in Europa, Asien, Südamerika und Australien unterwegs. Auf meinen Reisen habe ich mich gefunden und das, was mich glücklich macht. Das Reisen hat mir Fremdes offenbart und Bekanntes erklärt. Ich habe viel gelernt – über die Welt, über ehemals fremde Kulturen, über mein ehemals unbekanntes Ich.

Ich habe Mut in mir entdeckt, Stärke und Gelassenheit. Ich habe gelernt, was ich kann und vor allem, was ich will. Ich bin, was ich aus mir mache. Ich kann entscheiden, wer ich sein möchte. Meine Taten formen meine Persönlichkeit. Ich kann ein „Ich“ kreieren, mit dem ich mein ganzes Leben verbringen möchte und auf meinen Reisen entdecke ich, was ich alles sein könnte.

Reise zu mir selbst

Allein in einer fremden Umgebung, komme ich nicht umhin mich mit fremden Kulturen auseinandersetzen. Kulturen, die sich gänzlich von der mir anerzogenen unterscheiden. Diese Art der Bildung, die mich persönlich immer wieder herausfordert und weiterbringt, ist was ich so sehr am Reisen liebe.
Das ist für mich der einzig wahre Sinn des Reisens. Es geht nicht darum, in ein Flugzeug zu steigen und den Standort zu wechseln. Das ist keine Reise. Es geht darum, Menschen kennenzulernen, deren Kultur und Ansichten. Es geht darum, sich auszutauschen und sich selbst dabei zu reflektieren. Fremde Ansichten mit den eigenen abzugleichen und sich selbst zu hinterfragen. Dieser Prozess der persönlichen Entwicklung ist die einzig wahre Art zu reisen. Diese Entwicklung ist nicht immer leicht. Sie fordert viel und ist manchmal schmerzlich. Aber sie zeigt auch ungeahnte Möglichkeiten. Wer sich die Welt anschaut, wird entdecken welche Welten in einem selbst wohnen.

Ich habe schon in meiner frühen Jugend geahnt, dass mich in meinem Leben noch mehr erwartet. Wie eine Raupe, die sicher auch fühlt, dass sie eines Tages zum Schmetterling wird. Das Reisen hat mir Flügel verliehen, die mich über mich hinaus wachsen ließen. Ich habe Fähigkeiten und Möglichkeiten entdeckt, von denen ich nie zu träumen wagte. Wer würde schon einer Raupe das Fliegen zutrauen?

Es gibt Leute, die so tun als würden sie mich verstehen, wenn ich ihnen sage, dass ich nicht in der Lage bin ein „normales“ Leben zu führen. Wenn ich ihnen sage, dass ich es niemals schaffen würde, einer Arbeit nachzugehen, die meinen Kühlschrank füllt, aber meine Seele nicht füttert. An ihren mitleidigen Blicken erkenne ich dann, dass sie mich ganz und gar nicht verstehen. Dass sie mir am liebsten sagen wollen: „Ich bewundere deine realitätsferne Art des Träumens! Ich wünsche dir von Herzen, dass du nie aus deinem Traum aufwachen magst. Aber irgendwann musst du dich wohl oder übel fügen und einordnen.“
Ich habe den selbstbewussten Blick, den ich diesen Menschen entgegne, nie vor dem Spiegel üben müssen. Schon immer war ich so überzeugt davon, niemals etwas zu tun, dass mich nicht voll und ganz erfüllt, dass kein noch so mitleidiger Blick, keine noch so realistische und logische Argumentation über die Härte des Lebens und der Unumstößlichkeit dieses Systems mich von meinem Streben nach Glück hätte abbringen können.

Mittlerweile wohne ich in Berlin und führe ein Nomadenleben. Meine Kisten bleiben zur Sicherheit im Keller meiner Eltern und das Jahresabo der BVG kostet mich einfach zu große Überwindung. Trotzdem bin ich angekommen. 8 Umzüge in 8 Jahren, 40 bereiste Länder, 1 großer Traum. Ich reise als Reisebloggerin um die Welt, treffe spannende Menschen und kann die Vielfalt sehen, riechen, fühlen, hören und schmecken.

Das ist alles was ich immer wollte. Die Welt sehen, jeden Winkel erkunden und sie in all ihren Facetten für mich entdecken. Ich will ihre Schönheit betrachten. Ich will sie einatmen und schmecken. Ihren Gesang verinnerlichen und ihr Lied mitsingen. Ich will sie auf meiner Haut und zwischen meinen Fingern spüren. Das wollte ich schon immer. Das ist das, was mir dieses unruhige Gefühl immer vermitteln wollte. Mittlerweile habe ich gelernt, dieses Gefühl zu verstehen. Mich selbst zu verstehen. Meinen Träumen zu folgen und dem, was mich antreibt.

Reise zu mir selbst

Dieses unruhige Gefühl, das mich immer wieder antreibt, ist die Sehnsucht nach Freiheit. Fernweh. Diese Sehnsucht bestimmt mein Leben seit meiner frühen Jugend. Sie befeuert meinen Motor und zieht mich hinaus in die Welt. Sie treibt mich an, mich selbst zu befreien. Seitdem ich das erkannt habe, ist Reisen mein Leben und mein Leben die Reise, von der ich immer geträumt habe.

Und ich bin ich nicht die Einzige, die diesen Traum von Freiheit lebt. Auf meinen Reisen begegnen mir stets inspirierende Menschen, die nicht nur nach Freiheit für sich selbst, sondern für alle streben. Die Menschen sind gut und die Welt ist es auch. Ich habe Regionen in dieser Welt gesehen, in denen es mehr Liebe als Wasser gibt. Und würden das mehr Menschen begreifen, könnten wir mehr Wasser in diese Regionen bringen. Ich habe viele Menschen getroffen, die das begriffen haben. Die Liebe und Freiheit auf ihren Reisen gefunden haben und diese nun in die Welt tragen.

Reisen kann die Welt verändern. Meine Welt hat es verändert. Ich bin frei. Heute nutze ich meine Freiheit, um meine Ideen für eine bessere Zukunft in die Welt zu tragen. Ich möchte, dass die Menschen nachdenken, handeln und frei sind. Ich möchte ein Stück von meinem Glück zurückgeben. Ich möchte die Welt verändern. Und wenn es nur die kleine Welt meines Lesers ist. Das ist der Grund warum ich reise.

Ich befinde mich in einem Flugzeug, 12 km über dem Boden. Mit dem Kopf in den Wolken. Unterwegs zu meinem nächsten großen Abenteuer. Unterwegs zu meiner nächsten Geschichte. Unterwegs zu meinem besseren Ich. Ich schaue noch immer aus dem Fenster. Die Welt zu meinen Füßen. Ich frage mich gespannt, was mich wohl als nächstes erwartet. Eins steht fest: Alles kommt besser.

Reise zu mir selbst

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